Nach zehn Jahren in Bangkok wechselt Pfarrer Fabry nach Kapstadt
Das war typisch Thai: Als Pfarrer Clemens Fabry nach zehn Jahren zum allerletzten Mal mit seinem Wagen auf das Gelände des Bangkoker Sankt-Louis-Krankenhauses einbiegt, um die Sonntagsmesse in der Kapelle zu halten, bekommt er vom Pförtner wie immer einen Parkzettel. Den muss er bei der Ausfahrt abgestempelt wieder hergeben. So verhindert das Krankenhaus unberechtigtes Parken auf seinem Gelände.
Diesmal sieht ihn die Oberschwester: „Sie sollten eine Plakette erhalten. Dann brauchen Sie diese Prozedur nicht,“ sagt sie. Und liefert Fabry unfreiwillig etwas zum Schmunzeln am Ende seines allerletzten Gottesdienstes für die deutschsprachige katholische Gemeinde St. Marien in der thailändischen Hauptstadt.
Es war ein festlicher Abschied für den Priester aus dem Bistum Münster, der genau ein Fünftel seiner bisherigen Lebenszeit für die Gemeinde in dem südostasiatischen Königreich da war, wie Pfarrer Hans Joachim Fogl (Singapur), später bemerkte. Ausserdem habe er die Hälfte seines Priesterdaseins mit der Gemeinde verbracht, so der Südostasien-Koordinator der deutschsprachigen Auslandsseelsorge.
Ein Bläser-Quintett stimmte, feierlicher wie es kaum sein konnte, mit Clarke‘s freudig schmetterndem „Trumpet Voluntary“ auf die Messe ein. Bekannte Stücke wie Pachelbels „Canon“ oder Händels „Largo“ gaben ausserdem den würdigen Rahmen zu einem festlichen Abschlussgottesdienst.
Fabry erinnerte in seiner Abschiedspredigt an die Schlusssequenz des Films „Titanic“. Wo am Ende die 90jährige Überlebende Rose noch einmal alle Passagiere vor sich sieht, denen sie vor dem Untergang begegnet war. Nein, sagte Fabry, Untergangsstimmung wolle er sicher nicht beschwören. Aber so einen Traum wünsche er sich. Da würden in den ersten drei Bänken drei Generationen von Pfarrgemeinderäten sitzen. Da wären auch die Verstorbenen, an die sich manche der Anwesenden schon nicht erinnern könnten, weil sie sie nie kennengelernt hätten. Drei Bänke wären für die Schwerverletzten des Tsunami reserviert, denen er 2004 beigestanden habe, und deren Gesichter er noch vor sich sehe. Auch die vielen, die nie in der Kapelle gewesen seien, gehörten dazu. Und da wäre die Kapelle bereits zu klein, wenn man etwa alle die Schülerinnen und Schüler hinzunehme und die Lehrkräfte der Deutsch-Schweizer Schule. Fabry würde schliesslich die vielen aus dem Abschiebegefängnis aus aller Herren Länder vor sich sehen, die Aussteiger, die auf der Terrasse seines Hauses gesessen haben, sagte er.
Bei all dem habe er sich nie als Missionar, Sozialarbeiter, Gefangenenpastor oder Lehrer verstanden, sondern „als Priester, der die Liebe Gottes unter die Menschen bringen wollte“, so Fabry.
Pfarrer Hajo Fogl, der die Grüsse und den Dank der Mitarbeiter um Pfarrer Peter Lang im Katholischen Auslandssekretariat in Bonn überbrachte, sagte, er habe Pfarrer Fabry im Kreis der regionalen Auslandsseelsorger als kompetenten, deutlichen, ehrlichen und kritikfähigen Partner kennengelernt: „Du hattest immer eine gute Presse, nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes,“ sagte Fogl an seinen Mitbruder gewandt.
Elfi Seitz erinnerte an den Aufbau einer deutschsprachigen katholischen Gemeinde im Badeort Pattaya mit Hilfe von Pfarrer Fabry. Diese Gemeinde habe sich inzwischen gut etabliert, so die örtliche Koordinatorin für die Gottesdienste. Die Pattayaner würden ihren Pfarrer sicher „schmerzlich vermissen“.
Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Dominikus von Pescatore betonte, dass Bangkok die erste Auslandsgemeinde von Pfarrer Fabry gewesen sei. Eine besondere Herausforderung durch häufige Wechsel der Gemeindemitglieder, die verstreut über den Ort oder das Land lebten und einem Priester, der selbst auch nicht umittelbar bei der Kirche wohne. Zu der Seelsorge für die Gemeinde sei auch noch die Gefängnis- und Touristenseelsorge gekommen, so der Vorsitzende. Im Pfarrgemeinderat habe man sich auf ihn verlassen können, wenn es etwa um die Umsetzung von Beschlüssen gegangen sei. Bereitschaft, Ansprechbarkeit und Freundschaft hätten den scheidenden Pfarrer der Gemeinde ausgezeichnet, sagte von Pescatore: „Dafür danken wir dir!“
In seine neue Aufgabe in Kapststadt/Südafrika begleite Clemens Fabry „die Heimat der Sprache“, so der PGR-Vorsitzende. Doch es gebe auch noch eine andere Heimat, den Glauben. „Auch, wenn es manchmal nicht viele sind, dürfen wir uns der Treue unseres Herrn Jesus Christus sicher sein,“ so von Pescatore.
Neben Pfarrer Fogl standen auch noch der Steyler Pater Paul Polluk vom Abschiebegefängnis sowie Msgr. Marek Zalewski, Counsellor der Apostolischen Nuntiatur (Vatikan-Botschaft) in Bangkok, sowie der Übergangspfarrer Ernst Michael Kryschak am Altar. Letzterem galt das herzliche Willkommen der Gemeinde. Kryschak gilt als der Begründer der deutschsprachigen katholischen Seelsorge in Thailands Hauptstadt vor gut 20 Jahren.
Unter den Gottesdienstbesuchern war auch der deutsche Botschafter, Hanns Heinrich Schumacher, Mitglied der Gemeinde.
Der Pfarrgemeinderat verabschiedete Weihrauch-Liebhaber Clemens Fabry mit einer ordentlichen Portion des „heiligen Räucherwerks“, wie es in der Kathedrale von Bangkok verwendet wird. Wegen der Klimaanlage in der Kapelle hatte Fabry Weihrauch bei der Liturgie so gut wie nie einsetzen können. Neben dem Duft wird er auch die Sprache seines bisherigen Gastlandes mitnehmen können: Es gab noch eine CD mit auch in Deutschland bekannten Weihnachtsliedern, allerdings gesungen in Thai.
Während die gut aufgelegten Bläser vor der Kapelle zu Erbsensuppe und Frikadellen die „Torero“- Arie von Bizet („Auf in den Kampf“) instrumental schmetterten, gesellte sich noch der Nuntius, Erzbischof Salvatore Pennacchio, zu den Feiernden. Der unmittelbare Nachbar der deutschsprachigen Gemeinde, zu dem seit Jahren sehr gute Kontakte bestehen, hatte wenige Tage zuvor Pfarrer Fabry noch mit der „Medaglia Pontificia“ in Silber ausgezeichnet: „Als Erinnerung an die Zeit in Bangkok.“ Diese Auszeichnung ist in limitierter Auflage zum ersten Jahrestag von Papst Benedikt erschienen.
Wolfgang Rollik
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