Abschied von Pfarrer Ernst-Michael Kryschak
“Ich will es nicht Abschied nennen,” sagte Pfarrer Ernst-Michael Kryschak am letzten Sonntag im Schuljahr, “denn man kommt dann ja doch wieder.” Schon einmal, vor gut 15 Jahren, hatte der Gruender der deutschsprachigen Gemeinde in Bangkok Abschied genommen von der “Stadt der Engel”. Als man im vergangenen Jahr die Luecke schliessen wollte, die der Weggang von Pfarrer Clemens Fabry nach zehn Jahren hinterlassen hatte, war es Pfarrer Kryschak, der die Aufgabe noch einmal fuer eine befristete Zeit angehen wollte. “Aber nun ist es genug,” meinte er. Vom Gefuehl her moechte er schon noch hier bleiben, vom Verstand her sei dies jedoch unmoeglich.
Noch einmal gab es einen musikalisch-festlich umrahmten Gottesdienst. Zu diesem waren auch Gemeindemitglieder, die Bangkok fuer immer verlassen oder die in die Sommerferien fliegen, speziell zum Reisesegen eingeladen.
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dominikus von Pescatore verabschiedete den Priester. “Du hast unserer Gemeinde sehr gut getan,” sagte von Pescatore. Pfarrer Kryschak sei jemand, der auf die Menschen zugehe. In ihm sei etwas sichtbar geworden, das aus dem Geist Gottes komme. Mit seiner Warmherzigkeit, seinem Witz, habe der scheidende Gemeindeleiter den Menschen von St. Marien in Bangkok einen Liebesdienst erwiesen.
Allerdings habe Pfarrer Kryschak die letzte Wegstrecke in Bangkok auch durch widrige Umstaende hindurch gehen muesse: seine Gesundheit, die Aufloesung des Pfarrhauses, und schliesslich das Schreiben des Katholischen Auslandssekretariats mit der Ankuendigung der vorlaeufigen Beendigung der Gemeinde, weil kein Nachfolger fuer Pfarrer Kryschak gefunden werden konnte.
“Wir werden schon Wege finden,” machte von Pescatore der Gemeinde und dem scheidenden Priester Mut.
Andreas Seitz vom Kirchengemeinderat der evangelischen Partnergemeinde in Bangkok dankte Pfarrer Kryschak fuer die gemeinsame Zusammenarbeit und fuer seine Hilfsbereitschaft. Im Namen der deutschen Botschaftsangehoerigen sprach Seitz auch den Dank fuer Kryschak’s Engagement besonders bei den Gefangenen aus. Der Pfarrer sei ein aussergewoehnlicher Mensch, “ein Segen fuer uns gewesen”, so Seitz.
Darauf konterte Pfarrer Kryschak, wie es seine Art ist, mit einem Witz: Ein Chef, den niemand mochte, wurde verabschiedet. Und er wurde hochgelobt und gepriesen, so dass er am Ende sagte: “Ich sehe, ihr moegt mich so sehr – da bleibe ich einfach noch ein bisschen…”
Ein bayerisches Buffet von “Otto” war dann der kroenende Abschluss der Feier. Der Pfarrgemeinderat gab dem reisefreudigen Priester einen Vier-Rollen-Trolley-Koffer und eine handgeschnitzte Madonna aus Bangkok.
Wolfgang Rollik
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