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Spende der Gemeinde geht an Kinderheim beim
Tempel Sa Kaew

Geldgeschenke sind wichtig. So hat die
deutschsprachige katholische Gemeinde Bangkok am Samstag vor dem 1.
Fastensonntag den „Freunden von Wat Sa Kaew“ einen Scheck aus ihren
Caritasmitteln über 80.000 Baht überreicht. Der Verein von Expats, der
sich seit Jahren im Gastland seiner Mitglieder um das Kinderheim mit
seinen über 1.000 Bewohnern kümmert, will als nächstes eine Grossküche
zur besseren Versorgung der Mädchen und Jungen finanzieren.
Es war ein ausgelassenes, buntes Kinderfest auf dem
Platz an der Schule, mit Fussballspiel und Tauziehen, einer riesigen
Gummi-Titanic, die im Erdboden versank, und von der man so herrlich
runterrutschen konnte. Ein Tag mit klebrig-leckerer Zuckerwatte war es
und einem trickreichen thailändischen Ballspiel, mit
Bastelmöglichkeiten von Filztaschen, mit Hüpfburg für die Kleinen, vor
allem Spielsachen zum Aussuchen und etlichem mehr.
Das alles wäre nicht gegangen ohne die Mithilfe von
120 Helferinnen und Helfern. In ihren weissen T-Shirts waren sie
unübersehbar. Auch Claudia Schäferle vom Pfarrgemeinderat hatte wieder
eine Gruppe von Frauen, Männern und Jugendlichen mitgebracht. Sie waren
an einem Samstag zwischen 5 und 6 Uhr aufgestanden, um Kindern gut eine
Autostunde von Bangkok entfernt eine Freude zu machen wie sie nur mit
Weihnachten vergleichbar ist. 
Keine Frage: Geldgeschenke sind ganz wichtig. Aber
dann war da plötzlich mehr. In einer Ecke des Platzes verkleideten sich
Mädchen zu zauberhaften Prinzessinen, Burgfräuleins, Zauberinnen.
Schülerinnen der Deutsch-Schweizer Schule sorgten unterdessen für das
richtige Make-up. Ganz konzentriert trugen sie mit Wattestäbchen dünne
Schichten von Cremes auf die kleinen Gesichter auf. Bedächtigt, um es
nicht zu ungleichmäßig erscheinen zu lassen, tupften sie mit einem
dicken Pinsel Puder auf die Wangen der Heimmädchen. Dann wurde
vorsichtig der Stift für das Augen-Make-up angesetzt. Da war keine
hastige Bewegung, kein Schnell-Schnell. Kein: „Wird schon so gehen.“
Oder: „Ist doch nicht so wichtig.“ Die Schülerinnen waren ganz bei der
Sache und ihren kleinen „Models“. Nicht fahrig, sondern höchst
sorgfältig. Immer wieder kontrollierten sie selbstkritisch, was sie in
den Gesichtern der Mädchen „angerichtet“ hatten. So, als würden sie sich
selber schminken. Und das alles brauchte Zeit. Vermutlich die Zeit, die
es immer braucht.
Und beim Zuschauen wurde immer klarer, dass auf
diesem Platz bei der Schule von Wat Sa Kaew etwas Unbezahlbares
geschenkt wurde. Etwas, das sich nicht in Baht, in Euro oder Schweizer
Franken bemisst. Etwas, bei dem es um Minuten und Stunden geht. Und
damit um etwas, das mit unserer Existenz verknüpft ist: Zeit. Zeit, die
uns so kostbar ist, dass wir gerne damit geizen. Nicht selten auch, wenn
es um eigene Belange geht. Aber erst recht, wenn sie anderen,
Mitmenschen „geopfert“ werden soll.
Wie die Mädchen sich so gegenüber sassen: Da hatten
zwei Zeit für sich. Da gab es eine Schenkende und eine glücklich
Beschenkte. Und die einen schenkten den anderen – ohne, dass sie sich
dessen eigentlich bewusst wurden – auch noch ihr Talent.
Geld schenken, ja. Aber man müsste auch mehr Zeit
schenken. Nicht „opfern“. Hingehen zu Menschen, die einen brauchen.
Ihnen Stunden schenken und von ihnen beschenkt werden. So wie es den
Helferinnen und Helfern beim Wat Sa Kaew erging. Dann ist das bestimmt
keine vertane Zeit. Und erst
recht kein „Opfer“.
Wolfgang Rollik |