Pfarrer Ernst-Michael Kryschak verlässt Bangkok

Wie schnell ist doch ein Jahr vorbei! Nicht nur, dass für viele wieder ein Sommerurlaub bevorsteht. Das kann man auch gerade erst wieder feststellen, wo es heisst, nach einem Jahr Abschied zu nehmen vom “Übergangs-Pfarrer” der katholischen deutschsprachigen Gemeinde St. Marien in Bangkok, Ernst-Michael Kryschak.  

Vor Jahresfrist hatte sich der Gründer der Gemeinde trotz seines höheren Alters spontan bereit erklärt, noch einmal die Gemeindeleitung nach dem Weggang des langjährigen Pfarrers Clemens Fabry zu übernehmen. Im September 2009 hieß die Gemeinde ihn dann in Bangkok willkommen.  

Kryschak machte gleich klar, dass er nicht auf Dauer zur Verfügung stehen würde. Aber ein Jahr feierte er mit der Gemeinde, lachte er mit ihr, trauerte er mit ihr, lebte er mit ihr. Er engagierte sich in der Schule und für den Religionsunterricht. Er hatte ein offenes Ohr für manche Not. Auch für die der Menschen in unserem Gastland.  

Eine würdige Feier der Sonntagsmesse war ihm immer ein Anliegen: Da durfte die Predigt auch mal etwas über die üblichen zehn Minuten hinaus gehen. An seinem Blick zur Wanduhr konnte man dann feststellen, dass er aber auch wusste, wann es “Zeit” war, zu enden. Die Einführung gesungener Psalmen gaben dem Gottesdienst noch einen besonderen Charakter. Und dass er bei den Liedern immer wieder neue Vorschläge einbrachte, schätzten einige ganz besonders.  

Ernst-Michael Kryschak ist ein “Menschenfischer”: Er geht auf die Menschen zu und wartet nicht, bis sie auf ihn zukommen. Er lässt niemanden unbeachtet in der Ecke stehen. Das ist auch sein Prinzip bei seinen vielen Kreuzfahrten, die er als Seelsorger für das Katholische Auslandssekretariat (KAS) in Bonn begleitet hat. Und immer zückt er bald einen Gemeindebrief. Seine Visitenkarte.  

Er zeigt, von Anfang an, dass er der Pfarrer ist, wenn er schon halb im Messgewand noch neue Gemeindemitglieder auf dem Kirchplatz begrüsst. Aber er weiss auch dann sofort die Gunst der Stunde zu nutzen, wenn er so gekleidet noch schnell rüber ins benachbarte Krankenhaus läuft, um sich den Blutdruck messen zu lassen. Da kommt er nämlich immer sofort dran! 

Pfarrer Kryschak hat “seine” Gemeinde in Bangkok nie aus den Augen verloren. 21 Jahre lang nicht. Plötzlich und unerwartet stand er immer mal wieder eines Sonntags auf dem Kirchplatz. Und freute sich, wenn er hier und da noch “ein bekanntes Gesicht” antraf.  

Die sind im Laufe der Zeit weniger geworden. Als deutsche Firmen noch Autobahnen im Lande bauten oder den Skytrain und die Metro ins Rollen brachten, kamen mit ihnen auch viele Familien ins Land. Die waren dann Teil der Gemeinde. Jetzt entsenden Unternehmen aus Kostengründen auch gerne Singles oder entscheiden sich für einheimische Führungskräfte. Das spiegelt sich auch in der Gemeinde wider, wie der Pfarrer feststellen kann. 

Im Immigration-Gefängnis hat Pfarrer Kryschak übrigens eine besondere Fan-Gemeinde. Für die gestaltet er offenbar (ohne es selbst zu wissen) eine wunderbare Witzecke im Gemeindebrief. Der ist wegen des Humors bei denen, die auf ihre Abschiebung in die Heimat warten, besonders beliebt. Das erfuhr erst unlängst eine Helferin, die (wie auch der Pfarrer) die Häftlinge regelmäßig besucht.  

Also, hier ist dann noch ein “echter Kryschak”, so, wie er auch das eine oder andere Mal am Ende der Sonntagsmesse zu hören war: “Treffen sich drei Schüler. Sagt der eine: ‘Mein Vater ist Professor. Der spricht 20 Minuten und bekommt 500 Euro.’ Sagt der Zweite: ‘Mein Vater ist Arzt, der redet zehn Minuten und bekommt 1.000 Euro.’ Meint der Dritte: ‘Mein Onkel ist Pfarrer. Der spricht einmal in der Woche zehn Minuten. Und dann müssen vier Männer das Geld einsammeln.’” 

Wenn Pfarrer Kryschak am 30. Juni die Gemeinde verlässt, wartet bereits eine neue Aufgabe auf ihn. Im August wird er im Rahmen der Kreuzfahrtseelsorge eine Nordmeer-Kreuzfahrt begleiteten.  

Nicht nur dafür wünscht ihm die Gemeinde St. Marien in Bangkok eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Auch für das, was sonst alles noch an Aufgaben kommt.  

Herzlichen Dank und Gottes Segen! 

Wolfgang Rollik

   

  

 
 
 
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