Let´s talk about Sex, Baby! OMG, I am so shy…

Let´s talk about Sex, Baby!  OMG, I am so shy…

Besuch im Isaan – Teil 1

Konversation über das Wetter ist langweilig. Dabei gibt’s viel schönere Dinge. Erst recht, wenn man als Jugendlicher die Seiten des Lebens entdeckt, die an und für sich und mit anderen viel Spaß machen und eine neue Welt eröffnen. Denn Schmetterlinge haben die Jugendlichen hier auch, und nicht nur im Bauch. Aber darüber sprechen..?

Let´s talk about Sex, Baby!  OMG, I am so shy…

Machen wir uns nichts vor! In einer durch und durch sexualisierten Gesellschaft – auch und gerade in Thailand – wissen die Jugendlichen, ja schon die Kinder durch leidliche Erfahrungen und den Zugang zu den Medien mehr, als wir uns in diesem Alter überhaupt hätten vorstellen können.

Na ja, „wissen“ ist vielleicht zuviel verlangt. Die Flut an Bildern aus dem Internet, die unreflektierte Erfahrung von Sexualität – zu oft gepaart mit Gewalt – gehört zum täglichen Erleben der Kinder und Heranwachsenden. Und gerade weil es eben „Thema“ ist, wird eben nicht darüber gesprochen. Das hat auch kulturelle Gründe.

Gut also, dass in den Thailändischen Schulen die Sexualaufklärung zum Lehrplan gehört. Gut, ja, in den meisten Fällen aber nur auf dem Papier. Höchste Zeit, dass da etwas geschieht.

Dont be shy!

Das haben sich auch die Steyler Missionare in Nong Bua Lamphu (gleich neben Udon Thani) gedacht und ein tolles Aufklärungs-Konzept entwickelt – gerade vor dem Hintergrund der immer weiter steigenden Zahlen von HIV-Infektionen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Liebe, Sexualität, Partnerschaft, Verhütung und HIV-Prävention – ein Gesamtpaket, verschnürt als zweitägiger Workshop in Schulen der Provinz Nong Bua Lamphu. Das war die Lösung, um über Sex zu sprechen.

Let´s talk about Sex, Baby!  OMG, I am so shy…

Ich war einen Tag dabei – in einer Schule weit draußen auf dem platten Land zwischen Udon Thani und Nong Bua Lamphu. 88 Jugendliche im Alter von 12-16 Jahren waren schon den zweiten Tag zusammen, um darüber zu sprechen, wie man „es“ macht. Wie lange dauert es von der ersten Begegnung bis zum ersten Sex? Wo macht man seine ersten Erfahrungen und mit wem? Wie war das nochmal mit dem Menstruationszyklus? Welche Kondomgröße braucht man? Und wie geht das nochmal mit dem Überziehen? Wie können Mädchen sich schützen? Welche Krankheiten gibt es und wie kann man sich vor Ansteckung schützen? Sex nur mit Jungs, oder nur mit Mädchen? Und wie geht das dann mit den Ladyboys – die hier übrigens als eingene Gender-Gruppe anerkannt und akzeptiert sind – zumindest zum allergrößten Teil. Kann man mit Menschen, die HIV positiv sind zusammen leben? Sind die gefährlich? Was denken die Menschen über AIDS?

Wie man ES macht

Spannend, wie offen und unkompliziert bei aller verständlicher Scheu die Jugendlichen reagiert haben. Dies liegt zum Großteil an dem Team von lokalen Pädagogen aus dem Isan und der Mitarbeit von Bernd Ruffing SVD, die zusammen diese Kurse an den Schulen in der gesamten Provinz durchführen. Ein Projekt, das sich über Jahre erstreckt und sicher kein Ende findet.

Let´s talk about Sex, Baby!  OMG, I am so shy…

Und nun die Gretchen-Frage: Ob das noch alles katholisch ist? Die offizielle Kirche könnte aus Ihrer Sicht zurecht diese Frage stellen. Aber erstens sind die Adressaten alles Buddhisten, denen mit der christlich-naturrechtlichen Begründung von aktualisierter Sexualität, nämlich einzig und allein auf Hinordnung zur Weitergabe des Lebens, oder durch Enthaltsamkeit, exklusiver Treue, Beachtung der unfruchtbaren Tage, ausschließlich heterosexuelle Beziehungen und der Nicht-Verwendung von Verhütungsmitteln weiß Gott nicht umfassend geholfen werden kann. Und zweitens sucht sich das Leben eben immer seinen Weg – aber das kann bei einer derart hohen HIV-Infektionsrate lebensgefährlich sein.

Einzigartiges Angebot

Also: Helfen kann da nur Aufklärung. Umfassend, tabulos, offen, ungeschminkt und erfrischend spielerisch. Und genau so arbeitet das Team der Steyler Missionare – übrigens völlig konkurrenzlos. Denn sonst gibt es keine Organisation oder Gruppierung, die ein vergleichbares Progarmm an den Schulen Thailands durchführen würde.

Gleichzeitig – Aufmerksamkeit schaffen für Menschen mit HIV-Infektion, Integration und Wertschätzung, Akzeptanz und Vermeidung von Diskriminierung. Denn sie sind überall, und wie auf dem T-Shirt der Kursleiter in Thai geschrieben steht: „Mein Freund hat AIDS und wir können trotzdem gut zusammen leben. Denn: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Unterstützung bekommen die Steyler Missionare von fast allen Seiten. Schulen und Lehrkräfte sind froh, dass jemand „es“ an ihrer Stelle macht. Und die an Wochenenden stattfindenden Aufbaukurse für ältere Jugendliche und Lehrkräfte erfreuen sich ebenfalls größter Beliebtheit. In diesen Camps werden wiederum Leiter ausgebildet, die dann das Aufklärungsprojekt selber lokal durchführen oder fortsetzen, reflektieren oder wiederholen.

Bleibt zu wünschen, dass dieses Projekt Schule macht – im wahren Sinne des Wortes. Dass es Nachahmer findet und das Spechen über Sex als Ausdruck von Lebensfreude und wertschätzender Beziehung zur Normalität wird.

Let´s talk about Sex, Baby! Yeah, why not?

 

Demnächst mehr über die Arbeit der Steyler Missionare im Teil 2.

X